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Leipzig: Amokfahrer Jeffrey K. soll aus Rache getötet haben

Der Prozess gegen Jeffrey K. beginnt: Dem Hobby-Boxer wird vorgeworfen, mit 90 km/h durch die Leipziger Fußgängerzone gerast zu sein. Das mutmaßliche Motiv lässt aufhorchen. Zwei Tote, zwei Schwerverletzte – und zahlreiche Menschen, die sich teils nur durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen konnten: In Leipzig hat der Prozess gegen den 34 Jahre alten Jeffrey K. begonnen. Ihm wird vorgeworfen, am 4. Mai mit seinem Auto durch die Fußgängerzone von Leipzig gerast zu sein. Die Amokfahrt dauerte 21 Sekunden. Jetzt ist K. unter anderem wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in 85 Fällen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass K. sich spätestens am Vorabend zu der Tat entschlossen hatte. "Der Angeklagte wollte Menschen mit seinem Fahrzeug erfassen und so töten", sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob am Montag vor dem Landgericht. Desinformation in Leipzig: Afghane, Syrer und Antifa – Lügen über Amokfahrer Amokfahrt in Leipzig: Ex von Jeffrey K. meldet sich – und erhebt Anschuldigungen Vier Menschen traf K. mit seinem weißen VW Taigo, als er das Auto auf bis zu 90 km/h beschleunigte. Es starben ein 77-Jähriger, dessen Bauchschlagader riss, als er über die Motorhaube geschleudert wurde, und eine 63-Jährige. Ihr Mann erlitt Knochenbrüche. Zudem wurde eine 84 Jahre alte Frau schwer verletzt. Der Fahrer brachte das Auto schließlich selbst zum Stehen und ließ sich widerstandslos festnehmen. Tötete Jeffrey K. aus Rache an seiner Frau wildfremde Menschen? Die Staatsanwaltschaft geht von Rache aus. Seine Ehefrau habe sich im Februar von ihm getrennt und später das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn beantragt. Vor der Tat habe er ein Schreiben in seinen WhatsApp-Status geladen, mit dem er die Frau bloßstellen wollte. Vor seiner Festnahme habe er diesen Text von innen gegen die Autoscheibe gehalten. "Sein Ziel war es, sich so an seiner Frau zu rächen", sagte Oberstaatsanwalt Jakob. Den Ermittlern zufolge war der Mann wenige Tage vor der Amokfahrt in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung. Er hatte sich auf eigenen Wunsch in der Klinik aufgehalten und war Ende April entlassen worden. Er war schon polizeilich aufgefallen, auch wegen Bedrohung und ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld. Verteidiger Malte Heise zog Rache als Motiv in einer Erklärung in Zweifel. "Diese Betrachtungsweise greift aus Sicht der Verteidigung zu kurz", sagte er. Sein Mandant habe seine Lage als ausweglos empfunden, sei überfordert, hilflos und verzweifelt gewesen. Amokfahrt in Leipzig: Kritik an den Behörden Er gehe davon aus, dass sein Mandant diese Verzweiflung sichtbar machen wollte. "Das entschuldigt die Tat nicht, ändert aber die rechtliche Bewertung", sagte Heise. Der Angeklagte selbst schwieg. Sein Verteidiger sagte laut "Bild"-Zeitung, er würde "keine angemessenen Worte" finden. Bereits kurz nach der Tat hatte die Ex-Frau von K. schwere Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. "Es gab Anzeigen, Gespräche mit Behörden und wiederholte Versuche, Hilfe zu erhalten, um eine weitere Eskalation zu verhindern", teilte sie in einer schriftlichen Erklärung mit. Trotzdem sei nichts geschehen. Sie und ihre Familie hätten das Gefühl gehabt, mit der eskalierenden Situation weitgehend allein gelassen worden zu sein. Gutachter: Jeffrey K. war wohl schuldfähig Neben den Beweggründen der Tat wird es in dem Verfahren um die Frage nach der Schuldfähigkeit des Mannes gehen. Laut Staatsanwaltschaft liegt weder ein politisches noch ein religiöses Motiv vor. Ein psychiatrischer Sachverständiger ist beim Prozess dabei. Ein vorläufiges Gutachten hatte laut Anklagebehörde keine Hinweise auf eine eingeschränkte Schuldfähigkeit ergeben. Der Fahrer war nach der Tat in einer Psychiatrie untergebracht worden, wurde dann aber entlassen und ist nun in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Dem Verfahren haben sich neun Nebenkläger angeschlossen. Es sind 28 Verhandlungstage bis zum 7. Juli kommenden Jahres geplant.